Steuererleichterungen und Abschläge für Selbständige in Spanien

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Seit 2013 können bei Beginn einer selbständigen Tätigkeit in Spanien sowohl Steuererleichterungen, als auch Abschläge des Sozialversicherungsbeitrages genutzt werden. Der Sozialversicherungsbeitrag von 50 Euro pro Monat oder die Reduzierung des zu versteuernden Nettoeinkommens im Falle von Geringverdienern um 2.000 Euro, machen die Selbständigkeit zu einer wirklichen Alternative.

 

A) Sozialversicherung:

Der Sozialversicherungsbeitrag hängt grundsätzlich von der Bemessungsgrundlage ab, welche Ihre theoretischen Einkünfte widerspiegelt bzw. herausstellt, welchen Betrag Sie monatlich aus Ihrer Tätigkeit als Einkünfte verbuchen. Es handelt sich hierbei nicht um die tatsächlichen Einnahmen, womit die Wahl der Bemessungsgrundlage am Anfang der Tätigkeit praktisch freistellt ist.

Je nach Bemessungsgrundlage, kann der monatliche Sozialversicherungsbeitrag zwischen ca. 250,00 und 880,00 Euro liegen. Die 250,00 beziehen sich hierbei auf eine Bemessungsgrundlage von unter 890,00 Euro/ monatlichen Einkommens wohingegen sich die 890,00 Euro auf die maximale Bemessungsgrundlage von 3.642,00 Euro bezieht. Bei Bemessungsgrundlagen von über 3.642,00 bleibt der Sozialversicherungsbeitrag gleich.

Statistisch gesehen, lässt sich bestätigen, dass ca. 86% aller Selbständigen lediglich den Minimalbetrag einzahlen. Auch wenn Ihnen z.B. alle Leistungen der Krankenversicherung, unabhängig von Ihrer Beitragsleistung zustehen, ist zu beachten, dass Ihnen nach Ende Ihrer beruflichen Tätigkeit somit lediglich der minimale Rentensatz zustehen würde.

Rente aus Deutschland und Spanien:

Haben Sie innerhalb Ihres Berufslebens mindestens ein Jahr sowohl in Spanien als auch in Deutschland gearbeitet, werden Ihre Einzahlungen in die jeweiligen Sozialversicherungssysteme berücksichtigt und Ihnen diese sowohl auf die Berechnung Ihrer Rente als auch auf die eingezahlten Jahre angerechnet.

Tarifa plana:

Eine weitere Maßnahme zur Stärkung der Selbständigkeit in Spanien ist der Festtarif für das erste Einzahlungsjahr (tarifa plana). Wählen Sie die minimale Bemessungsgrundlage, zahlen Sie innerhalb der ersten 12 Monate den Festtarif von monatlich 50 Euro. Entscheiden Sie sich für diese Variante, bezahlen Sie nicht den Regelsatz von ca. 270,00 Euro, sondern haben lediglich die folgenden Beitragssätze zu zahlen:

- Die ersten 12 Monate: jeweils 50,00 €

- Monate 13 bis 18: 50% des Minimalbeitrags (ca. 137 €)

- Monate 18 bis 24: 30% Rabatt über den Minimalbeitrag (ca. 192 €)

- Ab dem 25. Monat: normaler Minimalbeitrag (ca. 270 €)

 

 

B) Einkommensteuer

Steuerermäßigung für Selbständige, die wirtschaftlich abhängig sind.

Werden die im Art. 32.2. LIRPF enthaltenen Voraussetzungen erfüllt (méthodo de estimación directa, ein einziger Kunde, keine anderen Einkünfte usw.), wird das zu versteuernde Nettoeinkommen um den Festbetrag von 2.000 Euro reduziert.

Reduzierung auf bis zu 3.700 Euro, wenn das zu versteuernde Nettoeinkommen unter 11.250 Euro liegt. Liegt das zu versteuernde Nettoeinkommen zwar über 11.250 Euro, ist aber geringer als 14.450 Euro, wird der Betrag proportional verringert.

Für Geringverdiener kann dieser Abschlag, welcher nach dem Abzug von absetzbaren Aufwendungen und Abschreibungen angewandt wird, oft dazu führen, das sich das zu versteuernde Nettoeinkommen auf 0 Euro reduziert und somit keine Einkommensteuer gezahlt werden muss.

Da im gegenwärtigen Fall von einem Bruttoeinkommen von 70.000 Euro ausgegangen wird, ist der Abschlag auf 2.000 Euro beschränkt.

Steuerermäßigung aufgrund des Beginns der selbständigen Tätigkeit.

Zusätzlich zu der im vorherigen Abschnitt genannten Steuerermäßigung, besteht eine weitere Ermäßigung für den Fall, dass die Tätigkeit im gegenwärtigen oder letzten Steuerjahr begonnen wurde. Diese Steuerermäßigung gilt somit für die ersten beiden Steuererklärungen seit Beginn der Tätigkeit.

Werden die im Art. 32.3. LIRPF enthaltenen Voraussetzungen erfüllt, wird das zu versteuernde Nettoeinkommen um 20% reduziert. Es gilt hierbei eine Grenze für das zu versteuernde Nettoeinkommen von 100.000 Euro bzw. eine Ermäßigung von maximal 20.000 Euro. Ausnahmen: Diese Steuererleichterung kann nicht angewandt werden, wenn über 50% der Einkünfte von dem vorigen Arbeitgeber des Steuerzahlers ausgehen. 

 

C) Absetzbare Kosten:

Wie in Deutschland auch, können in Spanien verschiedene Aufwendungen und Kosten vom Bruttoeinkommen abgesetzt werden. Dieses geschieht vor den im vorherigen Abschnitt genannten Steuerermäßigungen, da diese erst nach dem Abzug auf das zu versteuernde Nettoeinkommen angewandt werden. Es können hierbei unter anderen folgende Aufwendungen abgesetzt werden:

- Werbekosten, wie z. B. Flüge nach Deutschland zu Zwecken des Kundenbesuchs.

- Teile der Mietkosten, wenn der Wohnsitz gleichzeitig als Geschäftslokal dient und zwei Mietverträge bestehen.

- Abschreibungen von für die Tätigkeit notwendigen Investitionsgütern.

- Kosten für Steuerberater, Anwälte usw.

- Sozialversicherungsbeitrag.

 - Wird von Zuhause aus gearbeitet, können 30% der anteilig genutzten Fläche abgesetzt werden: Storm, Wasser, Internet, Telefon, usw. Werden z.B. 50% der Wohnung als Bürofläche genutzt, können 15% der entsprechenden Kosten abgesetzt werden. Kann nachgewiesen werden, dass die Kosten ausschließlich durch die Aktivität entstehen sind, sind diese in einigen Fällen vollständig absetzbar.

 - Speisen vor Ort und auf Reisen: Pro Arbeitstag: 27,27 €

 

 
 

D) Für deutsche Kunden ohne Mehrwertsteuer:

Seit der Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem ist es für Inhaber der NIE-IVA möglich, Rechnungen ohne Mehrwertsteuer auszustellen, wenn der Empfänger der Dienstleistungen in einem anderen EU-Mitgliedsstaat niedergelassen ist, kein Verbraucher ist und ebenfalls über die EU-Umsatzsteuernummer verfügt.

Hat der in Spanien wohnhafte Dienstleister die NIE-IVA, kann in der an ein deutsches Unternehmen ausgestellten Rechnung die Mehrwertsteuer weggelassen werden. Die notwendige EU-Umsatzsteuernummer (NIE-IVA), kann direkt bei der Gewerbebeantragung beantragt werden, wobei dessen Ausstellung bis zu 3 Monate dauern kann. Auch wenn die Umsatzsteuer nicht in Spanien gezahlt werden muss, muss über diese Rechnung später in den vierteljährigen Steuermodellen 303 y 349 informiert werden. 

 

Von Seitens unserer Kanzlei helfen wir Ihnen als Rechtsanwälte, Steuerberater und eingetragener PAE gern bei der Analyse Ihrer konkreten Situation, führen die entsprechenden Verwaltungsakte aus und geben für Sie die notwendigen Steuererklärungen ab. Weitere Informationen hinsichtlich unserer Leistungen für Selbstständige und Gewerbetreibende finden Sie im Abschnitt [Selbstständigkeit].

Bei Interesse oder konkreten Fragen zum Thema, stehen wir Ihnen gern per Mail oder telefonisch in deutscher Sprache zur Verfügung.

Autor: 

 

Spanischer Rechtsanwalt & Steuerberater
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Freiberufler und Einzelunternehmer in Spanien

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Als selbstständig gelten in Spanien grundsätzlich alle nicht angestellt arbeitenden Personen, die persönlich und gewöhnlich durch Nutzung eigener Produktionsmittel und unter Eigenorganisation eine Erwerbstätigkeit ausüben. Für EU-Bürger gelten hierbei die gleichen Rechte und Pflichten wie für Spanier.

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Selbstständigkeit in Spanien: Absetzbare Werbungskosten

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Damit in Spanien Ausgaben als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden können, sind diese grundsätzlich durch eine entsprechende Rechnung (Factura) zu rechtfertigen. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie z. B. Deutschland, existieren in Spanien keine automatisch anwendbaren Pauschalen und die Rechtfertigung der Ausgaben über Quittungen (Recibos) ist stark begrenzt.

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